Essad Bey
Öl und Blut im Orient
Meine Kindheit in Baku und meine haarsträubende Flucht durch den Kaukasus


Mit einem Vorwort von Ralf Marschalleck und einem Nachwort von Tom Reiss

ISBN  978-3-929345-30-8
Preis:
18,90 Euro, 32,10 SFr

Eine Autobiografie fast wie aus Tausendundeiner Nacht

Essad Bey, alias Lev Nussimbaum, erzählt mit viel Geist und Witz von seiner Kindheit in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, sowie von seiner Flucht vor der russischen Revolution 1917, die ihn zuerst quer durch den Kaukasus, dann nach Istanbul – wo dieses Buch endet – und schließlich nach Berlin führte.

Wenn Essad Bey von den Menschen des Kaukasus mit ihren für uns so fremdartig anmutenden Sitten erzählt, entfaltet er gleichsam ein anthropologisches Raritätenkabinett, das uns Leser nur in Erstaunen versetzen kann. Dabei klingen in seinen liebenvollen und bisweilen offen ironischen Worten selbst die Ausschreitungen der Revolution wie Bubenstücke und seine haarsträubende Flucht wie ein Abenteuerroman.

Öl und Blut im Orient ist ein lehrreiches und amüsantes Buch; es war in den 1930er-Jahren in Deutschland und den USA ein Bestseller.

Link zur Buchrezension "Ein Aschuk aus dem Kaukasus" von Behrang Samsami auf www.literaturkritik.de:

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12188

 

 Essad Bey, 1905 -1942

Essad Bey wurde im Oktober 1905 als Lev Nussimbaum geboren. Sein Geburtsort ist zum gegenwärtigen Forschungsstand noch unklar. Die wenigen existierenden Dokumente sprechen von Kiev.
Aufgewachsen ist Lev Nussimbaum in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Sein Vater, ein in Tbilisi/Georgien geborener aschkenasischer Jude, war Ölquellenbesitzer; seine Mutter Berta (geb. Slutzki) war eine russisch-jüdische Revolutionärin und Bekannte Stalins, als dieser in Baku "regierte" wie später Al Capone in Chicago. Berta Nussimbaum unterstützte Stalins Geheimdruckereien mit ihren Diamanten. 1911 wählte sie den Freitod.

Von seinem Kindermädchen, Alice Schulte, lernte Lev ab ca. seinem fünften Lebensjahr Deutsch - die Sprache, in der er Jahre später zu einem berühmten Schriftsteller werden sollte.
 
1917 flohen Vater und Sohn Nussimbaum erstmals vor der Revolution, kehrten aber für ca. ein Jahr nach Baku zurück. Endgültig verließen sie Aserbaidschan 1919, Lev Nussimbaum war ca. 15 Jahre alt. Über Konstantinopel, Rom und Paris kamen die Nussimbaums 1921 in Berlin an und ließen sich dort nieder. Lev besuchte hier das Russische Gymnasium und abends Kurse in Türkisch und Arabisch an der Friedrich-Wilhelms-Universität. 1922 konvertierte er zum Islam und begann, sich "Essad Bey" zu nennen.

Ab 1926 schrieb Essad Bey zahlreiche Artikel für "Die Literarische Welt" und viele andere deutsche Zeitungen. 1932 heiratete er Erika Loewendahl, die Tochter des Schuhgroßhändlers Walter Loewendahl. Kurzzeitig lebte das Paar in Berlin, Wien, New York und Los Angeles. 1937 ging die Ehe in die Brüche, als Erika ihren Mann wegen des Autors René Fülöp-Möller verließ. Die Trennung löste einen Skandal in der internationalen Presse aus und stürzte Essad Bey in eine tiefe Krise, die durch den fast gleichzeitigen Ausschluss aus der Reichschrifttumskammer noch verstärkt wurde.

Zwischen 1930 und 1937 verfasste Essad Bey ca. sechzehn Bücher, die alle in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Darunter waren auch Biografien von Stalin (1931), Zar Nikolaus II. (1935), Resa Schah (1936) und Lenin (1937, nur in italienischer Sprache erschienen). Seine Mohammed-Biografie (1932) ist bis heute lieferbar und besticht vor allem durch ihre atmosphärische Dichte.

Als erstes Buch legte er im Alter von 24 Jahren seine Autobiografie unter dem Titel "Öl und Blut im Orient" (1929) vor. Sie war in Deutschland und den USA ein Bestseller. Für seinen Freund George Sylvester Viereck schrieb er eine Biografie Kaiser Wilhelms II., die nur in englischer Sprache unter dem Titel "The Kaiser on Trial" und unter Vierecks Namen veröffentlicht wurde.

Ein weiteres Pseudonym Lev Nussimbaums war Kurban Said. Unter diesem Namen veröffentlichte er die beiden Romane "Ali und Nino" (1937) und "Das Mädchen vom Goldenen Horn" (1938). Die Debatte, wer hinter dem Pseudonym "Kurban Said" steckt, wurde von Essad Beys Biografen Tom Reiss hinreichend geklärt. Bis dahin war auch von der österreichischen Baronin Elfriede von Ehrenfels-Bodmershof und dem Aserbaidschaner Yusuf Vesir Chemenzeminli die Rede.

1937 floh Lev Nussimbaum aus Deutschland in die Schweiz und ließ sich 1938 in Positano an der italienischen Amalfi-Küste nieder. Versuche, zum offiziellen Biographen von Mussolini zu werden, scheiterten. 1942 starb er verarmt und vereinsamt im Alter von 37 Jahren nach einer schweren Gefäßkrankheit der Füße, dem sogenannten "Buerger-Syndrom", die angeblich eine jüdische Erbkrankheit sein soll.

Der amerikanische Autor Tom Reiss hat 2005 die weithin beachtete Biografie Lev Nussimbaums, "The Orientalist", vorgelegt. Sie avancierte in den USA zum Bestseller und ist bis dato in 14 Sprachen erschienen, Ende Februar 2008 auch auf Deutsch, und zwar im Osburg Verlag, unter dem Titel "Der Orientalist".