Carl Vett

Sufi-Tagebuch
Seltsame Erlebnisse in einem Derwischkloster  
 

ISBN
978-3-929345-22-3
Preis:
19,90 Euro

Zeugnis einer entschwundenen Welt

Die Wiederentdeckung dieses fast vergessenen Buches des dänischen Publizisten und Anthroposophen Carl Vett ist ein Glücksfall, denn es beschreibt eine Welt, die nicht mehr existiert.

»Vor etwa sieben Jahren lebte ich in Konstantinopel und erlangte 1925 … als erster Nichtmuslim die Erlaubnis, in einem Tekké – und zwar der Naqshbandi-Derwische – eine Zeitlang als Ordensbruder zu leben. Durch vieljährige Studien waren mir die Phänomene der Parapsychologie bekannt; so lag mir daran, die ekstatischen Zustände der Derwische unter den Initiationsvorgängen zu studieren, denn die Geheimorden des Islam sind Initiationsschulen.

Während und vor diesem Aufenthalt wurde ein Tagebuch geführt, das eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Aber nach den letzten traurigen Ereignissen in der Türkei, wo vor kurzem (im Februar 1931) in Menemen 29 Todesurteile vollstreckt wurden, hauptsächlich unter Angehörigen des genannten Ordens, von denen damals einige mit mir – unter Führerschaft des alten Scheichs Essad – im Kloster lebten, meine ich, daß meine damaligen Erfahrungen auch für weitere Kreise von Interesse sein könnten, und so entschied ich mich für eine Veröffentlichung.«
(Aus dem Vorwort des Autors)

Die Gespräche und Debatten zwischen Scheich Essad Efendi und Carl Vett sind erfüllt von Weisheit und Tiefe. Sie atmen die Überzeugung, dass nur die Brüderlichkeit der Kulturen der Welt eine Zukunftsperspektive gibt. Trotz der Fremdartigkeit der äußeren Religionsausübung der Sufis gelingt es Carl Vett, die innere Ähnlichkeit zwischen dem mystischen Weg des Islam und der westlichen Esoterik (in diesem Falle der Anthroposophie) darzustellen – ohne jedoch die Unterschiede in Ansicht und Mentalität zu übergehen.

Selbst über 70 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung ist dieses Buch eine wertvolle Lektüre für Menschen, die sich für den islamischen Aspekt des mystischen Menschheitserbes interessieren, denn Carl Vett versteht es, die muslimische und die anthroposophische Glaubenswelt höchst lebendig und nachvollziehbar darzustellen. Ein Einblick in muslimisches Ordensleben und ein Plädoyer für die Brüderlichkeit zwischen den Kulturen.

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Carl Vett, *1871 Århus/Dänemark,  † 1956 Rom/ Italien

Carl Vetts Vater war Mitgründer von Dänemark größtem Kaufhaus in Kopenhagen, dem "Magasin du Nord", das heute noch existiert.
Carl Vett war verheiratet und hatte zwei Töchter. Er war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch Weltreisender, Publizist, Übersetzer und Mäzen für viele kulturelle und soziale Projekte. Carl Vetts Hauptinteresse galt dem Weltfrieden und Brüderlichkeit, wovon dieses Buch lebhaftes Zeugnis gibt. Eine zeitlang korrespondierte er mit Mahatma Gandhi.

Vett war enger Freund Rudolf Steiners und übersetzte einige Bücher desselben ins Dänische. Zwischen 1923 und 1935 organisierte er fünf internationale Kongresse für Metaphysik, die in Kopenhagen, Oslo, Warschau, Paris und Athen stattfanden und die von Experten aus bis zu 16 Nationen besucht wurden.

In den 1930er-Jahren führte Vett Rudolf Steiners biodynamische Landwirtschaft in Dänemark ein. In den späten 1930er-Jahren zog Carl Vett nach Kalifornien, wo er ca. 14 Jahre verbrachte. Auch hier war seine Hauptbeschäftigung die Einführung der biodynamischen Landwirtschaft entlang der amerikanischen und mexikanischen Westküste.

Am 1. Februar 1956 verstarb Carl Vett in Rom. Die Hälfte seiner Asche wurde in Dänemark ins Meer gestreut. Die andere Hälfte der Asche ruhte in einer Urne in Rudolf Steiners Goetheanum in Dornach/Schweiz, wo sie 1989 im Anthroposophischen Gedenkhain beigesetzt wurde.